Grüne Tara: Ursprung, Bedeutung und Praxis im Buddhismus

Grüne Tara, auch bekannt als Dölma oder Drölma im Tibetischen, ist eine der bedeutendsten weiblichen Buddhas im tibetischen Buddhismus. Sie verkörpert das aktive Mitgefühl aller erleuchteten Wesen und wird seit Jahrhunderten als schnelle Beschützerin und Befreierin verehrt.

Ihre grüne Farbe symbolisiert ihre sofortige Bereitschaft zu helfen, und ihre besondere Sitzhaltung – ein Bein ausgestreckt, bereit aufzustehen – zeigt ihre Tatkraft.

Eine friedliche weibliche Figur sitzt auf einem Lotusblumenpodest, umgeben von grünen Pflanzen.

Die Grüne Tara gilt als die Mutter aller Buddhas und schützt dich vor acht Arten der Angst, die sowohl äußere Gefahren als auch innere Hindernisse wie Stolz, Neid und Zweifel repräsentieren.

Im tibetischen Buddhismus nimmt sie eine zentrale Rolle ein und wird neben der Weißen Tara besonders häufig praktiziert. Beide Taras gehören zur Familie der 21 Taras, wobei die Grüne Tara als Hauptform gilt.

Dieser Artikel führt dich durch die Geschichte, Symbolik und Praxis der Grünen Tara. Du erfährst, welche Bedeutung sie im buddhistischen Kontext hat, wie ihre ikonografische Darstellung zu verstehen ist und wie du ihre Praxis in deinen Alltag integrieren kannst. Dabei wirst du auch die wichtigsten Mantras und ihre korrekte Rezitation kennenlernen.

Tara im Kontext des Buddhismus

Eine grüne weibliche buddhistische Gottheit sitzt im Lotussitz auf einer Lotusblume, umgeben von grüner Natur und sanftem Licht.

Tara nimmt im Buddhismus eine besondere Stellung als weiblicher Buddha und Bodhisattva ein, wobei sie sowohl im Mahayana als auch im Vajrayana verehrt wird. Ihre Verbindungen zu bedeutenden Buddha-Gestalten wie Avalokiteshvara, Amitabha und Amoghasiddhi zeigen ihre zentrale Rolle im buddhistischen Pantheon.

Die Rolle als Bodhisattva und weiblicher Buddha

Tara verkörpert beide Aspekte gleichzeitig: Sie ist sowohl Bodhisattva als auch weiblicher Buddha. Als Bodhisattva hat sie das Gelübde abgelegt, alle fühlenden Wesen zur Befreiung zu führen. Die Legende erzählt, dass sie als Prinzessin Jnanachandra das Angebot ablehnte, als Mann wiedergeboren zu werden. Sie bezeichnete die Geschlechterunterschiede als Trugbild und schwor, bis zur Befreiung aller Wesen in weiblichem Körper zu wirken.

Diese Entscheidung macht sie besonders bedeutsam für Frauen im Buddhismus. Sie beweist, dass Erleuchtung nicht an ein Geschlecht gebunden ist.

Im tibetischen Buddhismus wird Tara als vollständig erleuchteter weiblicher Buddha verehrt. Sie verkörpert das aktive Mitgefühl aller Buddhas und gilt im Mahayana als Mutter aller Buddhas der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Tara in Mahayana- und Vajrayana-Buddhismus

Im Mahayana-Buddhismus erschien Tara ab dem 3. Jahrhundert als Verkörperung des universellen Mitgefühls. Hier entwickelte sich ihre Verehrung aus hinduistischen Wurzeln einer indischen Sternengöttin heraus.

Der Vajrayana-Buddhismus, besonders im Tibet, brachte eine umfassende tantrische Praxis mit Tara hervor. Die erste tibetische Übersetzung ihrer Texte erfolgte im 12. Jahrhundert. Du findest hier komplexe Meditationspraktiken, von einfachen Rezitationen bis zu fortgeschrittenen Tantra-Übungen.

Die 21 Taras bilden ein Mandala, in dem die Grüne Tara die Hauptform darstellt. Jede der 21 Formen drückt verschiedene Aspekte ihrer Buddha-Aktivität aus. Die wichtigsten sind:

  • Grüne Tara (Shyama-Tara): aktives Mitgefühl und schnelle Hilfe
  • Weiße Tara: langes Leben und heilende Kraft

Der Lobpreis der 21 Taras gehört zu den verbreitetsten Sadhanas im tibetischen Buddhismus. Bereits der erste Dalai Lama Gendun Drub verfasste Lobpreisungen auf die Grüne Tara.

Die Verbindung zu Avalokiteshvara, Amitabha und Amoghasiddhi

Die Verbindungen Taras zu anderen Buddhas zeigen ihre komplexe Position im buddhistischen Kosmos. Der Legende nach entstand sie aus den Tränen des Mitgefühls von Avalokiteshvara, dem Bodhisattva des Mitgefühls. Diese Herkunft bindet sie an seine Lotosfamilie.

Gleichzeitig gehört die Grüne Tara zur Buddha-Familie von Amoghasiddhi, dem Buddha der nördlichen Richtung. Beide teilen die grüne Farbe, die erleuchtete Tatkraft symbolisiert. Tara gilt als seine Gefährtin in mandalischen Darstellungen.

In ihrer Ikonografie schwebt über Taras Kopf manchmal das Haupt von Amitabha, dem Buddha des grenzenlosen Lichts. Dies zeigt ihre Zugehörigkeit zu seiner Lotosfamilie. Andere Darstellungen zeigen Amoghasiddhi an dieser Stelle.

Diese doppelte Zugehörigkeit zu zwei Buddha-Familien ist ungewöhnlich und unterstreicht Taras besondere Stellung. Die nepalesische Prinzessin Bhrikuti, eine Gemahlin des Königs Songtsen Gampo, gilt als Emanation der Grünen Tara und brachte die ersten Buddhabildnisse nach Tibet.

Ikonografie und Symbolik

Eine grüne Tara sitzt auf einer Lotusblume, umgeben von grünen Blättern und sanftem Licht, in einer friedlichen, natürlichen Umgebung.

Die Grüne Tara erkennst du an ihrer charakteristischen Körperhaltung und den symbolträchtigen Attributen, die ihre erleuchtete Aktivität und ihr Mitgefühl ausdrücken. Jedes Detail ihrer Darstellung – von den Handgesten über die Lotosblumen bis zur grünen Körperfarbe – vermittelt eine spezifische spirituelle Bedeutung.

Darstellung und Körperhaltung

Die Grüne Tara sitzt in einer einzigartigen Position auf ihrem Lotusthron, die ihre besondere Rolle als aktiven, weiblichen Buddha unterstreicht. Ihr rechtes Bein streckt sie ausgestreckt nach vorn und setzt den Fuß auf einen kleinen Lotus. Das linke Bein zieht sie in klassischer Meditationshaltung an.

Diese Haltung wird als „Position der Aktivität“ bezeichnet. Sie symbolisiert ihre ständige Bereitschaft, allen Wesen sofort zu Hilfe zu kommen. Im Gegensatz zu anderen Bodhisattvas, die oft in voller Meditationshaltung sitzen, zeigt Tara damit ihre Handlungsbereitschaft.

Ihre Körperfarbe ist Grün – das Zeichen für erleuchtete Aktivität im tibetischen Buddhismus. Sie trägt reiche, oft regenbogenfarbene Gewänder und kostbaren Bodhisattva-Schmuck: Diademe, Halsketten, Armreifen und Fußkettchen. Über ihrem Kopf schwebt manchmal das Haupt von Amitabha oder Amoghasiddhi, was ihre Zugehörigkeit zu verschiedenen Buddha-Familien anzeigt.

Bedeutung von Mudras und Gesten

In ihrer rechten Hand zeigt die Grüne Tara das Varada Mudra – das Mudra der Freigebigkeit oder des Gewährens. Die Handfläche streckt sich nach außen mit gespreizten Fingern. Diese Geste bedeutet, dass sie alle Wünsche erfüllt und Schutz vor den acht Ängsten gewährt.

Die linke Hand hält sie auf Herzenshöhe im Schutzgewährenden Mudra. Mit Daumen und Zeigefinger greift sie dabei den Stängel einer blauen Utpala-Lotosblume. Diese spezifische Handhaltung verbindet die Geste des Gebens mit dem Halten der symbolischen Blume.

Beide Mudras zusammen drücken ihre doppelte Funktion aus: weltliche Hilfe in schwierigen Situationen und spirituelle Führung zur Erleuchtung.

Symbole: Lotus, Utpala, Schmuck und Farben

Die weiße Lotosblume in ihrer rechten Hand ist vollständig entfaltet. Sie repräsentiert die vollkommene Verwirklichung der Buddhaschaft. Die blaue Utpala-Blume in ihrer linken Hand ist dagegen halb geöffnet und symbolisiert den fortschreitenden Weg zur Erleuchtung.

Jede dieser beiden Blumen trägt drei Knospen. Diese neun Knospen insgesamt stehen für die Buddhas der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Damit verkörpert Tara die Mutter aller Buddhas – die erleuchtete Weisheit, aus der alle Verwirklichung entspringt.

Der reiche Schmuck der Grünen Tara zeigt ihre unzähligen Verdienste an. Die verschiedenen Farben in ihren Gewändern entsprechen den fünf Buddha-Familien und deren Weisheiten. Manchmal wird sie auch mit vier Armen dargestellt, was ihre vielfältigen Fähigkeiten betont, obwohl die zweiarmige Form im tibetischen Buddhismus am verbreitetsten ist.

Legenden, Ursprung und historische Entwicklung

Die Grüne Tara, im Tibetischen Dölma oder Drölma genannt, verbindet indische und tibetische Traditionen mit tiefgehenden Legenden über ihre Entstehung. Ihre Verehrung wurzelt sowohl in historischen Ereignissen als auch in mythologischen Erzählungen, die ihre Rolle als mitfühlende Beschützerin definieren.

Indische und tibetische Ursprünge

Tara stammt ursprünglich von einer indischen Sternengöttin ab und wurde ab dem 3. Jahrhundert im indischen Mahayana-Buddhismus verehrt. Trotz dieser frühen Wurzeln erscheint die Grüne Tara in der buddhistischen Literatur des Vajrayana vergleichsweise spät. Die erste tibetische Übersetzung ihrer Texte erfolgte erst im 12. Jahrhundert.

Im tibetischen Buddhismus entwickelte sich Tara zu einer der wichtigsten weiblichen Buddha-Gestalten. Du findest sie heute in fast allen tibetischen Klöstern und Hausaltären. Der Lobpreis der 21 Taras zählt zu den gängigsten Sadhanas in der täglichen Praxis.

Ihre Verbindung zum Hinduismus zeigt sich in der Übernahme bestimmter ikonografischer Elemente. Die buddhistische Interpretation betont jedoch besonders ihr aktives Mitgefühl und ihre Rolle als Beschützerin vor inneren und äußeren Gefahren.

Legenden um Entstehung: Songtsen Gampo, Prinzessin Bhrikuti und Chenrezig

Die nepalesische Prinzessin Bhrikuti, eine der Gemahlinnen des tibetischen Königs Songtsen Gampo im 7. Jahrhundert, gilt als Emanation der Grünen Tara. Bhrikuti brachte die ersten Buddhabildnisse nach Tibet und spielte eine zentrale Rolle bei der Verbreitung des Buddhismus im Land. Diese historische Verbindung macht Tara zu einer Brückenfigur zwischen nepalesischer und tibetischer Kultur.

Eine andere Legende erzählt, dass die Grüne Tara aus den Tränen des Mitgefühls von Avalokiteshvara (Chenrezig) geboren wurde. Als dieser die Leiden der Wesen sah, entstanden aus seinen Tränen Lotosblüten, aus denen Tara erschien.

Eine besonders bedeutsame Erzählung berichtet von Prinzessin Jnanachandra in einem früheren Zeitalter. Mönche drängten sie, um eine Wiedergeburt als Mann zu bitten, um die volle Erleuchtung zu erlangen. Sie lehnte ab, bezeichnete Geschlechterunterschiede als Trugbild und legte das Gelübde ab, bis zur Befreiung aller Wesen in einem weiblichen Körper zu wirken. Diese Geschichte unterstreicht Taras Rolle als kraftvolle weibliche Buddha-Gestalt.

Die 21 Taras und verschiedene Tara-Manifestationen

Die Grüne Tara bildet die Hauptform im Mandala der 21 Taras, die verschiedene Facetten ihrer Buddha-Aktivität ausdrücken. Jede dieser 21 Formen schützt vor spezifischen Ängsten und Hindernissen. Die Praxis des Lobpreises aller 21 Taras gehört zu den verbreitetsten täglichen Rezitationen.

Neben der Grünen Tara existieren weitere wichtige Manifestationen:

  • Weiße Tara (Sita Tara) – für langes Leben und Heilung
  • Rote Tara – für Macht und Anziehung
  • Weitere 18 Formen – für spezifische Schutzfunktionen

Die Grüne Tara gilt als die aktivste Form. Ihre zum Aufstehen bereite Sitzhaltung symbolisiert ihre besondere Schnelligkeit bei der Erfüllung von Wünschen und dem Schutz vor Gefahren. Im Gegensatz zur Weißen Tara, die beide Beine in Meditationshaltung hält, zeigt die Grüne Tara ihr rechtes Bein ausgestreckt und bereit zum Handeln.

Spirituelle Bedeutung und Erleuchtung

Die Grüne Tara führt dich auf dem Weg zur Erleuchtung durch ihre Weisheit und ihr aktives Mitgefühl. Sie schützt dich vor inneren Hindernissen wie Stolz und Verblendung sowie vor äußeren Gefahren, während sie deine spirituelle Entwicklung fördert.

Erleuchtung und Weisheit der Tara

Die Grüne Tara verkörpert die ursprüngliche Weisheit aller Buddhas. Im tibetischen Buddhismus gilt sie als Mutter aller Buddhas der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Diese Rolle wird durch die drei Lotosknospen symbolisiert, die sie in ihren Händen hält.

Ihr Name „Tara“ bedeutet „Befreierin“ oder „Retterin“. Sie führt dich zur vollkommenen Buddhaschaft, indem sie dir hilft, Verblendung und falsche Ansichten zu überwinden. Die grüne Farbe ihrer Erscheinung steht für die erleuchtete Tatkraft und spirituelle Aktivität.

In ihrer Ikonografie zeigt sie sich mit einem ausgestreckten Bein. Diese Haltung symbolisiert ihre Bereitschaft zum sofortigen Handeln, um dir auf deinem Weg zur Erleuchtung zu helfen. Sie kombiniert tiefe Meditation mit aktiver Unterstützung aller fühlenden Wesen.

Bereits viele indische Gelehrte und Yogis erlangten durch die Praxis mit ihr die Erleuchtung. Ihre spirituellen Methoden reichen von anfänglichen Übungen bis zu fortgeschrittenen Tantra-Praktiken.

Die Aspekte von Mitgefühl und aktive Mitgefühl

Die Grüne Tara verkörpert das aktive Mitgefühl aller erleuchteten Wesen. Im Gegensatz zu passiver Güte handelt sie unmittelbar, um Leiden zu beenden. Ihre besondere Stärke liegt in der Verbindung von Weisheit und Mitgefühl.

Der Legende nach entstand sie aus den Tränen des Avalokiteshvara, des Bodhisattva des Mitgefühls. Als Prinzessin Jnanachandra legte sie das Gelübde ab, bis zur Befreiung aller Wesen in einem weiblichen Körper zu wirken. Sie lehnte eine Wiedergeburt als Mann ab und betonte, dass Geschlechterunterschiede nur Trugbilder sind.

Ihr Mitgefühl zeigt sich sowohl in der Erfüllung weltlicher Bedürfnisse als auch in der spirituellen Führung. Du kannst sie in alltäglichen Schwierigkeiten anrufen, doch ihr eigentliches Ziel bleibt deine vollständige Befreiung vom Leiden.

Die Utpala-Lotosblüte in ihrer linken Hand symbolisiert ihre reine, mitfühlende Natur. Sie verbindet dich mit der universellen Güte aller Buddhas.

Schutz vor äußeren und inneren Hindernissen

Die Grüne Tara schützt dich vor acht Arten der Angst. Diese äußeren Gefahren repräsentieren gleichzeitig innere Hindernisse auf deinem spirituellen Weg:

Äußere GefahrInneres Hindernis
LöweStolz
ElefantVerblendung
FeuerZorn
SchlangeNeid
RäuberFalsche Ansichten
GefängnisGeiz
ÜberschwemmungBegierde
DämonenZweifel

Diese Zuordnung beschrieb bereits der erste Dalai Lama Gendun Drub in seinem Lobpreis. Die äußeren Gefahren sind Symbole für die geistigen Gifte, die deine Erleuchtung verhindern.

Stolz trennt dich von anderen Wesen. Verblendung hindert dich daran, die wahre Natur der Realität zu erkennen. Durch ihre Praxis überwindest du diese Hindernisse systematisch.

Ihre besondere Schnelligkeit im Schutz wird durch ihre bereite Sitzhaltung ausgedrückt. Sie steht jederzeit bereit, dir in schwierigen Situationen beizustehen. Ihre wunscherfüllenden Qualitäten dienen jedoch letztlich deiner spirituellen Entwicklung, nicht nur weltlichen Zielen.

Tara-Praxis im Alltag

Die Grüne Tara Praxis lässt sich auf verschiedene Weisen in den Alltag integrieren. Vom formalen Sadhana bis zur spontanen Anrufung bietet die Arbeit mit Drölma unterschiedliche Zugänge für verschiedene Lebenssituationen.

Tara Sadhana und Meditation

Ein Tara Sadhana ist eine strukturierte Meditationspraxis aus dem Vajrayana. Du rezitierst dabei spezifische Texte, die Anrufungen, Visualisierungen und Mantras enthalten. Die bekannteste Form ist der Lobpreis der 21 Taras, bei dem du die verschiedenen Erscheinungsformen der Tara ehrst.

Viele tibetisch-buddhistische Zentren bieten eine kurze Version des Grüne Tara Sadhana an. Diese eignet sich besonders für die tägliche Praxis. Du beginnst mit Zufluchtnahme, gehst zur Visualisierung über und rezitierst das Mantra Om Tare Tuttare Ture Soha.

Im Vajrayana gilt: Für fortgeschrittene Tara-Praktiken brauchst du eine Einweihung von einem qualifizierten Lehrer. Ohne diese Ermächtigung kann die Rezitation bestimmter Sadhanas nach traditioneller Auffassung problematisch sein. Das friedvolle Mantra der Grünen Tara ist davon ausgenommen und wird in Tibet öffentlich rezitiert.

Die Bedeutung der Visualisierung

Bei der Visualisierung stellst du dir die Grüne Tara vor dir oder über deinem Kopf vor. Du siehst ihre grüne Körperfarbe, die erleuchtete Aktivität symbolisiert. Ihr rechtes Bein ist ausgestreckt, bereit zum Aufstehen und Handeln.

In ihrer rechten Hand hält sie eine weiße Lotusblüte im Mudra der Freigebigkeit. Die linke Hand hält auf Herzhöhe eine blaue Utpala-Lotusblüte. Jede Blume hat drei Knospen, die die Buddhas von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft repräsentieren.

Du kannst dich auch selbst als Tara visualisieren. Dies ist eine fortgeschrittene Praxis des Gottheiten-Yoga, bei der du deinen gewöhnlichen Geisteszustand in die erleuchtete Natur der Gottheit transformierst. Diese Technik erfordert Anleitung durch einen Lehrer.

Praxisformen im tibetischen Alltag

Tibetische Buddhisten integrieren die Tara-Praxis auf vielfältige Weise. Manche rezitieren täglich das Tara-Mantra 108-mal mit einer Mala. Andere führen am Morgen ein kurzes Sadhana durch, bevor sie zur Arbeit gehen.

In schwierigen Situationen rufst du Tara spontan an. Sie gilt als schnelle Beschützerin, die bei den acht äußeren Gefahren und ihren inneren Entsprechungen hilft:

  • Löwen (Stolz)
  • Elefanten (Verblendung)
  • Feuer (Zorn)
  • Schlangen (Neid)

Du kannst auch ein Thangka-Bild der Grünen Tara aufhängen. Viele Praktizierende schauen vor wichtigen Entscheidungen auf das Bild und bitten um Führung. Das aktive Mitgefühl der Tara inspiriert dich dann zu klugen, furchtlosen Handlungen im Alltag.

Mantras und Rezitation

Das wichtigste Mantra der Grünen Tara ist „Om Tare Tuttare Ture Soha“, das du rezitierst, um ihre Qualitäten wie Mitgefühl und Schutz zu aktivieren und Hindernisse zu überwinden.

Das Tara-Mantra: Om Tare Tuttare Ture Soha

Das Mantra Om Tare Tuttare Ture Soha ist die zentrale Klangformel in der Praxis der Grünen Tara. Du verwendest dieses Mantra, um dich mit der Energie von Tara zu verbinden und ihre Unterstützung anzurufen.

Jede Silbe hat eine bestimmte Funktion:

  • Om öffnet die Praxis und verbindet dich mit der erleuchteten Essenz
  • Tare befreit dich von äußeren und inneren Gefahren
  • Tuttare überwindet Hindernisse auf dem spirituellen Weg
  • Ture schützt vor Krankheiten und negativen Einflüssen
  • Soha verankert die Wirkung des Mantras

Du kannst das Mantra laut, leise oder in Gedanken rezitieren. Die traditionelle Praxis empfiehlt, das Mantra so oft wie möglich zu wiederholen, besonders wenn du vor Herausforderungen stehst oder innere Klarheit suchst.

Bedeutung und Anwendung des Mantras

Das Tara-Mantra dient dazu, die acht großen Ängste zu überwinden und Hindernisse zu beseitigen. Du kannst es in der formalen Meditation verwenden oder im Alltag rezitieren, wenn du Schutz oder Unterstützung brauchst.

In der traditionellen Praxis visualisierst du die Grüne Tara über deinem Kopf oder vor dir, während du das Mantra rezitierst. Diese Kombination aus Klang und Bild verstärkt die Wirkung. Die Praxis hilft dir, Mitgefühl zu entwickeln und emotionale Blockaden aufzulösen.

Du widmest die Verdienste deiner Praxis am Ende allen Lebewesen. Das Mantra wirkt nicht nur für dich persönlich, sondern erzeugt positive Energie für alle.

Varianten und Aussprache (Tibetisch, Sanskrit)

Die Sanskrit-Schreibweise lautet Oṃ Tāre Tuttāre Ture Svāhā. Im Tibetischen heißt die Grüne Tara Dölma (sgrol-ma), was „die Befreierin“ bedeutet.

Die Aussprache variiert zwischen tibetischen und Sanskrit-Traditionen:

SpracheAusspracheBesonderheiten
SanskritTāre (langes „a“)Klassische indische Form
TibetischTaré (Betonung am Ende)Wird oft schneller gesprochen

Du kannst die Version wählen, die dir von deinem Lehrer übermittelt wurde oder die sich für dich natürlich anfühlt. Die Absicht und Regelmäßigkeit der Praxis sind wichtiger als die perfekte Aussprache. Lama Thubten Yeshe betonte, dass die Hingabe an die Praxis wichtiger ist als technische Perfektion.